„Rituale sind für mich Handlungen der Konzentration, der Sammlung und des Widerstandes, um ein Leben lang ein Original zu bleiben und nicht als Kopie der Erwartungen anderer zu sterben. Rituale helfen mir, ein dankbares Staunen und mitfühlendes Leiden, ein Compassion, zu kultivieren.“ (Simone Weil)

Unter vielen Ritualbeschreibungen ist diese mir die liebste. Eine Flut von Büchern bezeugt das große Interesse für Rituale. „Die Wiederentdeckung der Rituale“ hängt zusammen mit einer Art Heimweh, so die Psychotherapeutin Ingrid Riedel.

Heimweh nach einer Struktur in einer Zeit, die immer mehr chaotische Umbrüche nach sich zieht, nach Tradition in einer Zeit zunehmenden Traditionsverfalls, nach den großen Symbolen der Seele, nach Wiederbeseelung des Lebens, nach Sinnerfahrung und Halt an Lebensübergängen. Ein wesentlicher Aspekt darin ist die Gemeinschaft als Erfahrung von Zugehörigkeit.

Nicht alles ist ein Ritual, was wir Ritual nennen. Es braucht ein Wissen über das innere Wesen, um schöpferisch zu gestalten, was das innerste Geheimnis eines Menschen berührt.

Ritualbegleitung an Übergängen, an Schwellen zu einem neuen Lebensabschnitt, an der Kreuzung eines (Lebens)Weges, zur Bekräftigung einer (Lebens)Entscheidung